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Iran Wirtschaft

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Zwischen Erdöl, Armut und Sanktionen: Die Wirtschaft des Iran

Die Wirtschaft des Iran wird entscheidend durch den natürlichen Reichtum des Landes an Erdölvorkommen geprägt. Immerhin verfügt das Land über gut 11 % der weltweit nachgewiesenen Erdölreserven, und kann so Öl im Gegenwert von jährlich ca. 70 Milliarden US-Dollar exportieren.

Doch ergibt sich daraus nicht, dass – wie man es vielleicht erwarten würde – die Wirtschaft des Iran in solider Verfassung wäre. Zum einen steht der Erdölsektor exemplarisch für die weit verbreiteten kommandowirtschaftlichen Strukturen des Landes, zum anderen verleiten die üppigen Einnahmen aus dem Export des schwarzen Goldes die iranischen Machthaber dazu, eher eine populistische Verteilungspolitik zu betreiben, als Zukunftsinvestitionen vorzunehmen, die die einseitige Wirtschaftsstruktur auflockern, und so weniger anfällig für Krisen machen würden.

Als einzig erwähnenswerte weitere Wirtschaftsbereiche neben der Erdölindustrie sind einzig die Textilindustrie und vor allem die Landwirtschaft zu nennen, wobei letztere neben Weizen, Baumwolle, Nüssen und Datteln auch Rosinen in erheblichem Umfang produziert.

Die klassischen ökonomischen Kennziffern zeichnen ein wenig erfreuliches Bild. So lag die Inflation im Jahr 2007 bei rund 15 % (der aber immerhin ein Wachstum des BIP von 4,8 % gegenüberstand). Die offizielle, massiv geschönte Arbeitslosenrate, die für das Jahr 2007 mit 12, 5 % angegeben wird, ist realistischerweise wohl im Bereich von 50 % anzusiedeln.

Zwar verfügt der Iran über ein großes Reservoir gerade auch an jungen Arbeitskräften, doch ist es ein großes Manko, dass diese zumeist über keine hinreichende Ausbildung verfügen. Ein Schutz der Arbeitnehmer, bzw. ein funktionierendes System sozialer Partnerschaft zwischen Gewerkschaften und Arbeitgebern, existiert im Wesentlichen nicht. Nicht zuletzt aus dieser desolaten Lage heraus lassen sich die im Jahr 2009 ausgebrochenen Proteste der iranischen Bevölkerung gegen ihre Regierung erklären.

Die bereits seit den neunziger Jahren sich vor allem mit Fragen nach der Wiederbelebung eines zumindest für gewisse Bereiche bestehenden privaten Sektors befassende Diskussion ist bislang ohne spürbare tatsächliche Ergebnisse verlaufen.

Weiteres Hindernis einer positven ökonomischen Entwicklung stellen die umfangreichen Außenhandelsbeschränkungen dar, denen der Iran wegen seines Atomprogramms unterworfen wurde. Auch ist die nach wie vor sehr schwierige geopolitische Situation in der unmittelbaren Nachbarschaft des Landes (Irak, Afghanistan, Pakistan) zu bedenken, die einer nachhaltigen Vertrauensbildung der Wirtschaftsakteure im Wege steht.