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Von Rügen bis zum Iran

Von Rügen bis zum Iran published on

 

 

Zu Fuß ist diese Distanz wohl nur sehr schwer oder womöglich gar nicht zu bewältigen, mit einem Flug wohl schon eher. Dies dachte sich ein nur etwa 20 Gramm schwerer gefiederter Bewohner unserer Erde wohl auch, als er eines seiner Brutreviere auf der zur Insel Rügen gehörenden Halbinsel Mönchgut einrichtete. 

Von seinem Lebensraum, der die nordost-europäischen Küstengebiete einnimmt, liegt das in Mecklenburg, an der pommerschen Küste und auf Rügen liegende Brutgebiet am westlichsten. 

Von wem aber sprechen wir hier eigentlich?

Der, um den es sich hier handelt, trägt den Namen Karmingimpel, dessen männlicher Vertreter sich mit karminroter Brust und einem ebenso gefärbten Bürzel schmückt. Dazu gesellt sich beim Männchen ein weißer Bauch, während die Weibchen wie so oft im Tierreich im gedeckten olivbraun mit einer helleren Unterseite daherkommen.

Jedes Jahr im Mai treffen einige Exemplare der nur bis zu 15 Zentimeter langen, zur Unterfamilie der Stieglitzverwandten gehörenden Vögel aus Nord- oder Zentralindien oder dem Iran kommend zum Brüten mit ihrer großer Brutortstreue auf der Insel Rügen ein. Unbeeindruckt davon, dass nun bald auch die Saison der badefreudigen Urlauber in dieser Region beginnt, baut sich der Karmingimpel seine eigene Ferienwohnung Rügen unter Verzicht auf eine vorherige Vermittlung und braucht dafür nur ein dichtes Gebüsch. Seine Vollpensione bilden dessen Knospen und Samen. 

Während die ihn nur selten zu Gesicht bekommenden Urlauber sich am Strand von Göhren oder Baabe die erhoffte Sonnenbräune holen, brütet der kleine Langstreckenzugvogel in der Regel fünf himmelblaue Eier aus, aus denen nach etwa zwei Wochen die Jungen schlüpfen. Schon nach etwa zwei Wochen sind diese flügge.

Nur wenig Zeit bleibt der Karmingimpel-Familie um die Jungvögel groß zu ziehen und sich selbst zu stärken, denn bereits im zeitigen Herbst, wenn bald auch die letzten menschlichen Urlaubsgäste ihre Ferienwohnung Rügen verlassen, beginnt sein Flug nach Osten und später in Richtung Südosten in sein Winterquartier im fernen Iran oder in einem anderen asiatischen Gebiet. 

Dort macht der Karmingimpel eine Vollmauser durch und sammelt wieder Kraft für die nächste weite Reise – wieder zurück auf die Ferieninsel Rügen, die durch diesen kleinen Singvogel eine dauerhafte Verbindung mit dem etwa 5.000 Kilometer entferntem Land Iran erfährt.